Wir sind nun mittlerweile etwas mehr als ein Jahr in den Räumen in der Leibnitzstraße. Zu Beginn wurde natürlich viel gebaut, geputzt und umgeräumt. Unser Ziel, die Räume zum Basteln, Löten und Programmieren zu nutzen, haben wir aber nie aus den Augen verloren. Neben diversen Lötstationen und dem dazughörigen Ätzbad war der 3D-Drucker unsere erste größere gemeinsame Anschaffung.

Er steht nicht nur in unseren Räumen rum, sondern hat uns auch schon auf diverse Veranstaltungen begleitet. So waren wir ein kurzer Blickfang auf dem Mystique, demonstrierten Druckkunst bei der feierlichen Immatrikulation der Erstsemestler in diesem Herbst und ließen Besucher auf der Bucktopia Ausstecher entwerfen.

Ausstecher? Ja, richtig. Plätzchenausstecher.

Wenn neue, interessierte Leute ins Netz39 kommen oder wir auf Ausstellungen in der Stadt unterwegs sind, ist der erste Kommentar meist: ohja, da hat jemand eine Pistole mit hergestellt. Allerdings sind dann auch alle immer ganz überrascht, dass Keinem von uns bisher die Idee auch nur gekommen ist, eine Waffe mit dem 3D-Drucker zu drucken. Natürlich geht das, allerdings kann man aus so ziemlich allem Waffen herstellen, wenn man denn will. Und wir nutzen unseren 3D-Drucker lieber für andere Projekte.

Bei unserem 3D-Drucker handelt es sich um einen Reprap Mono Mendel mit den Druckabmaßen 210x190x140 mm. Das stratum0 aus Braunschweig hat uns großartiger Weise beim Bau des Druckers unterstützt. Der Vorteil im Drucker liegt nämlich in seiner Reproduzierbarkeit. Dass heißt, Teile des Druckers werden ebenfalls mit einem 3D-Drucker gedruckt. Der Aufbau des Druckers erfolgte in Eigenregie durch unser Mitglied dkdent und dauerte in etwa 25h bis zum ersten gedruckten Stück. Wir haben mitlerweile zwei Düsen mit 0.3 und 0.5 mm Durchmesser zum Drucken. Zur Zeit nutzen wir PLA am Häufigsten als Filament, hin und wieder druckt jemand auch mal mit ABS. Filament muss man sich als dünnen Plastikstrang vorstellen, der beim Drucken aufgeschmolzen wird. So ähnlich wie bei einer Heizklebepistole. Allerdings gibt es auch schon “Holz” (aka Laywood), “Keramik” (aka Laybrick) und flexibles Filament.

Wir haben mittlerweile mehr als 5 kg Filament verdruckt und zur Zeit ist kein Ende in Sicht. Natürlich sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Der Drucker läuft bei uns fast im Dauerbetrieb und wem doch mal die Ideen ausgehen, der stöbert einfach auf thingiverse. Wie die kleine Auswahl an Bildern im Post demonstriert, drucken wir viele kleine Dinge, die man braucht, die sonst teuer wären oder in der Herstellung mit anderen Verfahren sehr lange bräuchten.

Am Beliebtesten sind momentan Gehäuse für diverse elektronische Schaltungen, Raspys und Co. Aber auch Ersatzteile für Möbelstücke aus einschlägigen Häusern (Füße, Griffe, Abstandshalter) oder sonstige Dinge, die gern mal kaputt gehen und/oder teuer sind, wie zum Beispiel der kleine Nubsi der Sonnenblende im Auto oder Schellen als Halterung bei Rohren und Fahrradschlössern. In der noch-nicht-ganz-Vorweihnachtszeit stehen auch Keksausstecher hoch im Kurs.

Unsere Pläne für die Zukunft sehen eine Erweiterung der z-Achse vor. Dies ist möglich, da wir die entsprechenden Teile selbst drucken können und ansonsten Teile aus dem Baumarkt besorgen. Außerdem kann man unseren Drucker mit weiteren Düsen ausstatten, sodass bei entsprechender Software auch mehrfarbiger Druck möglich ist. Und natürlich gibt es schon Pläne für die ersten Holz- und Keramikdruckaktionen!

Wenn ihr auch mal den 3D-Drucker in Action sehen wollt, so schaut doch einfach mal vorbei und lasst euch den Drucker zeigen und entwerft einen Plätzchenausstecher, den ihr auch nach kurzer Design- und Druckzeit gleich mit nach Hause nehmen könnt.

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